HiSTORiE

Reichhaltig und wertvoll


Das Anwesen

Der pausbackige Träger des Wappens im Bogen vom Eingangsportal zeigt die Jahreszahl 1590. Ein stolzes Datum, das evtl. die Entstehung des Hauses sein könnte. Folglich übersteht dieses Anwesen nun bereits 430 Jahre die Höhen & Tiefen des Lebens.

Aber stimmt diese Datierung?

Nein! Das Haus ist vermutlich in seinem Grundbestand älter

Der Grundriss zeigt auch eine eventuelle frühe Erweiterung des Hauses an der Westfront (Hofseite). Der große Flur besaß ursprünglich auch einen großen altdeutschen Kamin mit Räuchermöglichkeit. Der wurde im 19. Jahrhundert durch einen neuen Kamin ersetzt. Insgesamt beherbergt das Gebäude 

3 Kamine. 1905/06  wurde es an die städtische Wasserleitung angeschlossen

 

  • 1921 mit der Hausmadonna. Fast alle Häuser besaßen während dieser Zeit eine Hausmadonna. Die waren meist im Bereich vom 1. Obergeschoß zu sehen
  • Die Madonna wurde vermutlich im 2. Weltkrieg zerstört und  ist nicht mehr vorhanden
Der Straßenname und die Hausnummer mussten sich dem Zeitgeist beugen
  • 1847  bei der Uraufnahme im Ortsblatt Hammelburg hatte das Anwesen die Hausnr. 215
  • 1855  erhielt das Haus die Hausnr. 175
  • 1931  hieß die Straße Judengasse Nr. 175 (wie lange schon Judengasse: seit 1855 ?)
  • 1934  wurde die Judengasse im nationalem Wahn in  Horst-Wessel-Str. 30 umbenannt
  • 1954  erhielt die Straße den Namen Dalbergstr. 30

Der Gewölbekeller

unter dem Haus war sehr wahrscheinlich einst nicht geschlossen im Haus integriert, sondern nur im Außenbereich überdacht. Der runde Torbogen am Treppenabgang trägt jetzt noch die starke Türkolben in denen ein Tor hing. Durch den Anbau wurden 2 weitere Gewölbe (siehe hinteren Bereich), 1 Zimmer und der hintere Hausgang (Uhrengang) dazu gewonnen. HAMMELBURGs UNTERWELT

Gewölbekeller . Foto: Maria K. Rinecker
Gewölbekeller . Foto: Maria K. Rinecker
Gewölbekeller . Westseite . Anbau
Gewölbekeller . Westseite . Anbau
Gewölbekeller . Südseite
Gewölbekeller . Südseite
Gewölbekeller  . Westseite
Gewölbekeller . Westseite

Das repräsentative Eingangsportal mit den gehauenen Quatersteinen wurde im Zuge einer Renovierung eingebaut. Größtenteils besteht noch das Fachwerk mit seinem Weidengeflecht und dem Lehminhalt. Eine eingehende Untersuchung der Balken würde den Entstehungszeitraum zeigen.

Es ist eines der wenigen Anwesen Hammelburgs, die den großen Stadtbrand am Markustag, 25. April 1854 unbeschädigt überstand.

Das Anwesen stellte über all die Jahrhunderte sein Fachwerk zur Schau. Erst meine Großeltern, Karl und Katharina Rinecker überzogen die Fassade mit einem leichten Wurfputz. Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Putz nochmals verstärkt.

 

Dachboden . Knechtkammer . Ostsüdseite
Dachboden . Knechtkammer . Ostsüdseite
Fachwerk . Geflecht . Ostseite
Fachwerk . Geflecht . Ostseite
Dachboden . Magdkammer . Nordostseite
Dachboden . Magdkammer . Nordostseite

Westseite . Einsturz bei Bombenangriff  1944
Westseite . Einsturz bei Bombenangriff 1944
Fast zum Ende des 2. Weltkrieges 1944 traf eine Bombe den Hof und riss die Westfront im Hof ein. Außerdem stürzte der gesamte Scheunen -und Stallkomplex in sich zusammen. Bei diesem Angriff verlor ein Gast des Hauses auf der Kellertreppe im Haus sein Leben. Ein riesiger Graben mit zusätzlichem Loch entstand dabei im Hof. Eine Vertiefung im Hof und ein Loch in der wuchtigen Eichentreppe erinnert heute noch an diesem schrecklichen Ereignis.

Betroffene Hausbesitzer erhielten einen Wertschein für altes Baumaterial. Woher? Von dem Dorf Hundsfeld am Rande des Truppenübungsplatzes. Also hieß es die Kühe vor dem Wagen spannen, gen Hundsfeld ziehen, Baumaterial aufladen, den Rückweg antreten und zuhause angekommen wieder abladen.

 

Die unterschiedlichen Baumaterialien zeigt teilweise die Südwand, die Westwand, die Scheune und die Stallung. Eine sehr harte Arbeit dieser traurige Zeitspanne der Menschheitsgeschichte.


Rineckerhof
Rineckerhof
DULLSCHDEE
DULLSCHDEE

Der idyllische Hof ist heute noch mit den von Hand behauenen Dullschdee

(Thulbasteine):

Steine aus dem nahe gelegenen Fluss Thulba) gepflastert. Die Steine, zwischen denen es ein bisschen grünen darf, zieren den Hof sicherlich schon ein paar hundert Jahre.

 

Impressionen