die menschen und ihre spuren

***Könnten die Rineckers, wie öfter vermutet wird, eine Abzweigung der Grafen von Rieneck sein? Bisher konnte ich keine Verbindung feststellen. Außer vielleicht die Familienwappen könnten einen Hinweis geben. Die Wappen von Michael Rinecker (1495- 1454) und Michel Rinecker (1511 - 1554) weisen Ähnlichkeiten zum Hauswappen auf. Nämlich die 3 Sterne als auch die Farben Rot und Blau. Das Portal ist ursprünglich in den Farben Rot und Blau gehalten und diese Farben sind auch heute noch unter dem Anstrich sichtbar. Die Farbe Rot war damals höchst wertvoll und konnte nur von reichen Menschen genutzt werden.

Welche geheimen und verschlungenen Liebeswege manche Dame und Herr in romantischer Stunde eventuell ging, mag spekulative Genweitergaben möglich machen. Nachgewiesen ist auf jeden Fall, dass das Geschlecht der Adelsfamilie in Mannesstamm mit Graf Philipp III. von Rieneck am 3. September 1559 endete.

Persönlich finde ich, die an 'Mannesstamm' Regelung, familiär unangebracht und diskriminierend. Heute bietet die Burg viel Interessantes im wunderschönen Sinngrund gelegen und ist unbedingt ein Ausflug wert.

 

 

 

 

Fundstelle der 3 Sterne im Hauswappen

Fundstelle der roten Farbe im Eingangsportal

Fundstelle der blauen Farbe im Eingangsportal


***Laut Erzählungen bewohnten zur Zeit der Fürstäbte von Fulda die Konkubinen der Herren das Haus. Diese urlaubten gerne in ihrem Roten Schloß in Hammelburg und genossen den hiesigen Wein ihrer Untertanen. Könnte das Rinecker Haus einmal ein Freudenhaus gewesen sein und kann diese mündliche Überlieferung meiner Eltern stimmen?

Für eine kurze Zeitspanne gibt es dafür eine durchaus plausible Erklärung. Die runden Fenster über dem Eingangsportal an der Ostseite des Hauses, sowie die zwei seitlichen Vertiefungen mit den Sockeln sprechen für einen jüdischen Ursprung. Die Dalbergstraße hieß vor  den 1930- 40er Jahre Judengasse. Auch in meiner Kindheit nannte man die unbenannte Traufgasse zwischen der Hausnr. 28 + 30 im täglichen Sprachgebrauch nur das Jüdegässle. Warum? Ganz einfach. Bis 1671 war dieses Viertel Hammelburgs das Quartier der jüdischen BürgerInnen. Sie erhielten ab dem 13. Jahrhundert die Erlaubnis auf der gegenüberliegenden Straßenseite (ab Hausnr. 29 bis zur jetzigen Kissingerstraße) ein Grundstück zu erwerben und zu bebauen. Das Viertel nannte man somit umgangssprachlich das jüdische Ghetto. Folglich könnte das bereits bestehende 'RiNECKER HAUS' von einem jüdischen Bürger gekauft (oder durch Einheirat einer jüdischen Frau, das Haus selbst war vielleicht schon im Besitz Rinecker) entsprechend umgebaut worden sein. Im Januar 1671 wurde Bernhard Gustav, Markgraf von Baden, zum Fürstabt des Fuldaer Hochstifts gewählt. Zwei Monate nach seinem Amtsantritt, am 24. März 1671, erließ er ein Mandat, welches die Ausweisung der Juden aus dem Fuldaer Gebiet verfügte (Heinrich Ullrich, Chronik der Stadt Hammelburg 1956, S. 186). Also wurden die Häuser mit jüdischer Verbindung frei. Um die Häuser zu entehren funktionierte man zum Beispiel die jüdische Synagoge zu einem Schweinestall um. Es könnte infolge dessen durchaus möglich sein, dass eine lustvolle Damenwelt das 'Rinecker Haus' kurzzeitig bewohnten und das Anwesen somit entehrt wurde.

Während meiner Kindheit besaß das Viertel/Dalbergstraße immer noch eine sehr ausgeprägte Unternehmenskultur und wurde von ein paar interessanten Persönlichkeiten bewohnt: Gebrüder Schnack, Pferdemaler Hosse, Maler Ringelmann, Boxberger Brunnen KG

Siehe bitte Unner Vierdl

***Das stattliche Anwesen muss höchstwahrscheinlich ab diesem Zeitrahmen in  Besitz der Rineckers gekommen/oder schon gewesen sein. Die Familie der Rinecker war sehr zahlreich und laut der Stadtchronik (Heinrich Ullrich von 1956) mit dem Berufsstand des Bürgermeisters, Metzgers, Arztes, Apothekers und Kaufmans verbunden.

 ***Der Kreis -und Heimatpfleger Eugen Weiß erwähnte, dass das Anwesen als Zehnthaus diente. War es ein Zehnthaus? Bisher fand ich dafür keine sonstigen Belege. Was aber nicht ausschließt, dass das Anwesen in einem kürzeren Zeitraum für den Zweck einer Zehntabgabe genutzt wurde.

 ***Der Grundriss und die kleinen Einsichtfensterchen im unteren Bereich sprechen für die Nutzung eines Schulzen oder eines Schreibers. War also dieses Anwesen ehemals auch ein Schulzenhaus? Möglich ist es.

 ***Jakob Rinecker (verst. 17. 3. 1841) und seine Vorgänger nutzten die Landwirtschaft, gepaart mit der Ökonomie. Es war also zu dieser Zeit ein Ackerbürgerhaus! Die reichhaltige Historie weist auf Reichtum, Bildung und Macht der Rineckers während dieser Zeitspanne  hin.

 ***Die Familien ab Karl Rinecker (mein Opa) hinterließen die rein bäuerliche Prägung. Es war also ab dieser Zeit ein Bauernhof! Seit wann die Rineckers das Haus bewohnen ist bisher nicht bekannt. Sicher ist: Schon einige Generationen vor Jakob Rinecker war dieses Anwesen in Familienbesitz.

 

Hier die bisher bekannten Eigentümer:

  1. Jakob Rinecker  ? - 17. März 1841,  ledig + Magd Eva Glück (Wartmannsroth) und Knechte
  2. Karl Rinecker  ?????? + Katharina Rinecker geb. Saar 25. Juli 1876 aus Aschenroth - xxxx mit 3 Kindern (Karl-Philipp, Franziska, Babette)
  3. Karl-Philipp Rinecker  2. April 1902 - 18. März 1994 + Pauline Rinecker geb. Spahn 26. September 1921 - 16. Juni 2008 (aus Obereschenbach) mit 4 Kindern (Berta, Barbara, Maria K., Franz Karl-Otto)
  4. Maria K. Rinecker-Hemm  3. 1957   (2 Kinder Anabel und Barbara, 3 Enkel Jonathan, Naomi, Philipp / leben nicht in Hammelburg)
Museum Herrenmühle
Museum Herrenmühle

Beste Bergermeister, welch ein Lob.

Im Museum Herrenmühle (Erdgeschoss) an der Decke eingearbeitet.

Chronik der Stadt Hammelburg von Heinrich Ullrich
Chronik der Stadt Hammelburg von Heinrich Ullrich

Eine bildungsfreudige Familie im 17. + 18. Jahrhundert. Auszug aus der Stadtchronik  (Heinrich Ullrich) Seite 239


 

Der Rineckerclan

Zum 40. Hochzeitstag an unsere Eltern fertigte ich 1990 dieses Büchlein als Geschenk an.

Kissen / Gefertigt von Barbara Tezel
Kissen / Gefertigt von Barbara Tezel

 

 

Nein, das ist nicht der ehemalige Sitz der Rineckers!

Eigenentwurf und handgemacht von meiner Tochter Barbara, ein Kissen mit viel Liebe.

Im Hintergrund ist die Kassettenlamperie der Wohnstube zu sehen.


Karl-Philipp und Pauline Rinecker auf der Bank vor dem Haus im 'Fellahof' nach getaner Arbeit Ein stimmiges Paar trotz 20 Jahre Altersunterschied
Karl-Philipp und Pauline Rinecker auf der Bank vor dem Haus im 'Fellahof' nach getaner Arbeit Ein stimmiges Paar trotz 20 Jahre Altersunterschied