das testament

Das Testament - Sein Wille

Präzise und wohlüberlegt aufgeteilt

DAW; Akte: Pfarrarchiv Hammelburg, Teilbestand I,Karton 27, Nr. 47

1.

Vermächtnisse an Verwandte, Freunde und Bekannte

Seine Verwandten, meist Geschwisterkinder, waren nicht die großen Gewinner. Da sie selbst "ziemlich wohlhabende Leute sind" will er sie 

"nur mit einigen Vermächtnissen bedenken". Trotzdem bewegen sich ihre Erbschaften zwischen 100 und 600 Gulden. Sein Taufpate erhält 1200 Gulden.

Konnte er am 28. Januar 1841 die Gerichtskommission "noch auf dem Bette sitzend" empfangen, so mußte er seine Testamentsergänzung am

16. Februar 1841 "jetzt im Bette liegend" diktieren. Stets war er aber bei "vollkommene Geisteskräfte".

Auf dem Krankenbett erinnert er sich auch  der Leute, die im hilfreich zur Seite standen. Zu ihnen gehörte seine Dienstmagd Eva Glück aus Wartmannsroth. Er erlässt ihre Schulden in ungenannter Höhe und vermacht ihr zusätzlich 550 Gulden. Mit bäuerlichem Misstrauen fügt er aber hinzu, daß sie dieses Legat nur erhält, wenn "bis zu meinem Tode bei mir bleibt". 50 Gulden erhält der Schuhmachergeselle Johannes Sellmeier,  "welcher mir Tag und Nacht auch Beistand leistet". Ihm verspricht er in seiner Testamentsergänzung noch seine Landwehruniform mit Armatur (Waffen) und sämtlichen Stücken, welche dazugehören.

Aber - das wird ihm die Eva eingegeben haben - nur "für den Fall, wenn er meine Dienstmagd heiratet".

2.

Stiftung für die Gründung der Königlich Bayerischen Lateinschule

Seine Schenkung von 3 000 Gulden als Beitrag zur Gründung der Latein Schule war für die Königlich bayerische Regierung die Voraussetzung, die erste Klasse einer Lateinschule zu genehmigen. Aus der entwickelte sich dann bis 1905 das Polygymnasium und schließlich 1961 das voll ausgebaute Frobenius-Gymnasium mit Abitur.

Heinrich Ullrich, der Verfasser der Hammelburger Stadtchronik, meint, er habe das Geld in Erinnerung an seine ehemalige Studienzeit im Hammelburger Gymnasium gestiftet. Jakob Rinecker schloss sie im Jahr 1776 ab. Die Schenkung  spricht für seine Weltoffenheit, die er als Landwirt und Ökonom, durch die Schulbildung förderte.

In seiner Testamentsergänzung vom 16. Februar 1841 zweigte er 50 Gulden von der Armenstiftung ab. Seine Begründung, "ihm sei daran gelegen, dass die lateinische Schule da hier möglichst bald errichtet werde". Zu Lasten der Unterstützung angehender Handwerker.

Zusammenfassend sagt Dietmar Katzer: "Für das Hammelburger Gymnasium ist Jakob Rinecker bedeutsam geworden durch seinen Beitrag zur Begründung einer lateinischen Schule von zwei, bis womöglich vier Klassen".

3.

Stiftung für arme Mitmenschen und ihre Bildung

Die Armen waren ihm ein wichtiges Anliegen. Materielle Grundlage bildet der Erlös aus der Verpachtung seiner Wiesen und Grundstücke. Dieser Teil der Stiftung hat er in die Obhut der Stadt Hammelburg gelegt. Die zum Stiftungsfond gehörenden Wiesen dürfen zu keiner Zeit veräußert werden.

*Aus den Renten/Erlöse dieser Stiftung sollte der zeitliche Stadtpfarrer jährlich 100 Gulden unter die Hausarmen verteilen, "worüber er keine    Rechnung zu legen hat, sondern bloß seine Priesterpflicht verantwortlich sein soll".

*Ebenfalls 100 Gulden waren gedacht "für arme Knaben zur Erlernung von Handwerken", worüber der Armenpflegschaftsrath zu entscheiden habe.

*Sechs der "ärmsten und würdigsten" Erstkommunikanten (3 Knaben und 3 Mädchen) sollten jährlich neu gekleidet werden.

Diesen Schenkungen fügte Jakob Rinecker den Wunsch bei, die Empfänger möchten "den Stifter in ihr Gebet einschließen".