MARiA K. - Das Kind


Mein Leben als Kind im RiNECKERHAUS

Als 3. Kind von Karl-Philipp+Pauline Rinecker durfte ich in meiner künftigen/jetzigen Küche (damaliges Schlafzimmer) das Licht dieser Welt erblicken. Genau genommen erblickte ich nicht nur das Licht, sondern verinnerlichte auch gleich den Faschingstrubel.

 

Warum das?  Nicht weil ich in eine etwas schräge Familie hineingeboren wurde, sondern weil schlicht und ergreifend der Faschingszug  just bei der Geburt am Haus vorbeizog. Ansonsten war das Leben dieser Familie, die ich fortan mein eigen nennen durfte, so herrlich einfach.

 

Da wir als Familie keinen Urlaub in Form von wegfahren kannten, war der damalige Jahresablauf mit seinen bestehenden Ritualen als Abwechslung, wichtig.

Zb. Sonntag: Früh war Kirchgang angesagt - nach dem Mittagessen und Geschirr abspülen- und trocknen - Papa auf`s Canapèe zum Mittagsschlaf geläichd (Sofa gelegt) - Mama mit uns Kinner (Kinder) im Schlepptau zur Oma nach Öüberöscheboch gelaffe (Obereschenbach gelaufen), vergnügt unn widder hemm gelaffe (und wieder heim gelaufen).

 Das war das Wochenende. Wir nannten nie ein Auto als unser Eigentum. Später kamen dann die Ausflüge und Wanderungen der Schule hinzu. Der strukturierte Jahresablauf mit seinen bäuerlichen und religiösen Elementen war deshalb für die Abwechslung sehr bedeutsam für mich.

 

Hier nun einige Einblicke in den  damaligen Jahresablauf und das Leben im Rineckerhaus

 

WohnART

Wir, 6 Personen, hatten erst einen Raum, dann auch die Küche. Nach ein paar Jahren ein weiteres kleines Zimmer und dann die Wohnstube. Also das gesamte Erdgeschoß.

 

Die Wohnstube

Die 3 Fenster in der Wohnstube waren was Besonderes für mich, eigentlich nur 2 von den 3. Unter dem rechten Fenster schlief ich eine Zeit lang und was sag ich, an diesem Fenster blühten übervoll im Winter dekrative Eisblumen. Ein wahres Wunderwerk diese seltsamen  Gebilde. Wie, liebe Leser ihr friert bei dem Gedanken in diesem Bett schlafen zu müssen? Nein es war normal, denn wir hatten ja 1 oder 2 Wärmflaschen vorher unter die Decke gesteckt. Aber meine Rineckernase erlebte schon ein Wechselspiel des Wärmegrads  und der Farbe. Das mittlere Fenster erinnert mich an Faschingsumzug und krank sein. Warum? Genau genommen war es eine Tragödie für mich, nicht beim Faschingsumzug raus zu können um dabei zu sein. Also hob mein Papa mich eingemummeltes Wesen liebevoll aus dem mittleren Fenster. Ich konnte nun auch winken und rufen. Aber was ganz besonders war, es flogen diese leckeren, süßen Geschosse zu mir ins Fenster: Man nennt sie Bonbons, denn die gab es nicht oft, sie waren also  für mich absolut erstrebenswert.

Die Küche

Dann war da noch die beliebte Sitzbank in der Küche. Darauf tauschten mein Bruder Franz und ich immer Wichtiges und Grundlegendes für unser Leben aus. Dieselbige stand nämlich höchst ungut auf den mit Holzdielen ausgelegten Küchenboden, neben dem Ausguß (Waschbecken) mit den ocker- und weißen Fliesen an der Wand. Da das wiederum über eine kleineres Innenmaß verfügte, und sich alle 6 täglich darin wuschen, verteilten sich Pfützen auf dem Holz. So faulte also im Laufe der Zeit der Holzboden unter Bank und vermittelten uns beiden das Gefühl, dass wir irgendwann mitsamt der Bank im dunklen Keller landen. Huch, das war schon unheimlich! Aber gegen Angst gibt es Geschichten ...dachte ich mir. Und so erzählte ich liebend gerne in welchen Fantasieländern- und Ortschaften ich schon zu Besuch war und was ich dabei alles so erlebt habe. Der Zuhörer war treu, denn Franz saß ganz still mit großen Augen, offenem Mund neben mir und hörte ganz andächtig zu. Das war Spannung pur und der eventuelle Durchbruch in den Keller war Nebensache.

Übrigens: Der Boden brach bis jetzt noch nicht durch und die Holzdielen ersetzten meine Eltern durch die jetzigen Fliesen. Aber immer wieder erinnert mich die Stelle unter dem Küchenfenster an die damalige Holzbank und ihre Geschichten.

 

Nach dem Tod meiner Oma Katharina und dem Auszug meiner Tante Franziska mit Familie erhielten wir das komplette Haus. In meiner jüngeren Kindheit beherbergte das Rineckerhaus somit 13 Menschen in 10, zumeist kleinen Zimmern. Ein großes stattliches Haus mit viel Leben in sich.

 

Dar Abord (Toilette)

Übrigens Toilette besaßen wir selbstverständlich auch, allerdings in sehr historischer Form. Nämlich als Holzhäuschen getarnt über'n Hof mit Fallvariante und Einbruchoption. Die Fallvariante rührt von der zuständigen Bestimmung des Häuschens her. Die Einbruchoption stand mit schon etwas fauligen Bodenbrettern in Verbindung. Für das Papier war ich zuständig und ich machte es verdammt gerne. Ja wirklich, ich war stolz auf meine Leistung, wenn das gerissene Zeitungspapier, handlich genormt und dekorativ an der Seite des Sitzloches stapelte. In den Winternächten gab es den nicht so angesagten Nachttopf. Oder den Kuhstall mit seiner Ablaufrinne zum Suddelouch, den kleinen feuchtwarmen Strohhäufchen hinter den wärmenden Kühen und ihrem angenehmen Duft. Ja, auch Kuhstallduft kann behütet sein, vermitteln.

 Die Boadwanne (Badewanne)

Unsere Badewanne war ganz in Zink gehalten und in einer Anwandlung von  modernen Style ließ der Designer den Ablaufstöpsel weg. Auch war sie nicht sehr groß aber trotzdem säuberte  der Inhalt die ganze Familie. Kurzum...eine ganz normale Waschwanne aus Zink. Diese Version des Familienbades war sehr praktisch angelegt, denn die Wanne musste nicht mehr geleert werden.  Kleinkindergemäß verteilten wir  das schöne flüssige Spielzeug über den Holzdielen des Küchenbodens.


 Dar Wöschdooch (Der Waschtag)

Waschtag war immer montags, an dem Mama schon früh den Wöschkessel (Waschkessel) anschürte.

Ohne Waschmaschine aber mit der Supervariante eines kurzzeitigen Trips verbunden, fand ich den Waschtag immer perfekt. Mama durfte schrubben, wringen  und den mit nasser Wäsche aufgetürmten Schubkarren (Schwerstarbeit für Mama) zum Blechroose manövrieren. Ein benzingetriebenes Gefährt nannten wir nicht unser eigen. Also musste ich unbedingt dabei sein, denn ich hatte ein Ziel. Deswegen belauerte ich in Habachtstellung Mama bis es dahin ging, wo ich hin wollte. Nämlich zum Blechrose (Bleichrasen) mit seinen hoffentlich anwesenden langen Wohnwägen mit dem Krönchen über die Fenster. Sowie den faszinierenden Menschen drum herum.

 

Schon oben  am Aussichtspunkt, Weihertorstraße, sagte Mama immer: "Ah, die Zichöiner (Zigeuner) sinn widder da." Mein Herzerl hüpfte vor Freude. Mit Spannung konnte ich die nun folgende Arbeitsteilung kaum erwarten. Mama lürte geübt die Wäsche in der SOOL (Saale) und ich arbeitete für die Allgemeinheit, nämlich der Bleichrasenverschönerung. Mein Gießkännchen, ein Fundstück vom Bleichrasen und natürlich aus buntem Plastik, hatte ich als die  ideale Begleiterin für mein Vorhaben dabei. Gießen  war aber auch außerordentlich wichtig auf dem trockenen und kargen Kiesboden.

 

Naja, eigentlich war es nur ein Placebogießen, da ich eigentlichnur das herrlich bunte und ewig blabbernde Volk beobachten wollte. Für mich horizonterweiternd und Genuss pur in der ersten Lebensphase. Sowie grundlegend für einen späteren Wohnwagen und ersehnten Wegzug aus der überschaubaren Hammelburgwelt.

Camping & Mobilstellplatz


Die Kommunion

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Die Firmung Mei Firmdoud  (Meine Firmpatin)

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Fronleichnam

Fronleichnam war als Kleinkind immer ein besonderes Erlebnis und richtig aufregend. Warum das?  Ganz einfach, für dieses katholische Ritual waren wir in der Dalbergstraße systemrelevant. Die Prozession führte nämlich direkt bei uns am Haus  vorbei.  Das heißt: 'Es musste geschmückt werden!'

 

So holte also Papa schon 1 - 2 Tage vorher viel Schilf.  Wir, mein Bruder Franz und ich standen schon voller Erwartung im Weg rum.

Ja, jetzt endlich kam das langersehnte Taschenmesser von Papa zum Vorschein (hatte er immer in dar Housedösche (Hosentasche) parat. ...die Spannung wächst in meiner Erinnerung - er suchte einen schönen Schilfstengel, nahm ihn mit der linken Hand und schnitt mit dem Messer in der rechten Hand ein ca. 10cm kurzes Stück ab. ...Spannung steigt höher - danach setzt er das Messer an das abgeschnittene Stück und schnitzt gekonnt ein Loch und eine Kerbe hinein. Juchhuu, die Schilfpfeife war bereit, um gemeinsam mit Franz freudevoll und möglichst laut zu pfeifen.

 

Als ich älter wurde, hatte ich null Lust mehr am Pfeifen. Denn jetzt interessierte mich die künstlerische Deko des religiösen Rituals. Außerdem war jetzt eh nicht mehr spielen angesagt, nun hieß es mitarbeiten. Schon etliche Tage vorher bekam ich von Mama einen Topf Klarlack, einen Pinsel und den Auftrag das Eingangsportal zu streichen. Alles glänzte nach getaner Arbeit und ich war super stolz darauf. Jetzt als Erwachsene, weiß ich, dass das keine gute Idee war. Denn Klarlack auf Sandstein ist tödlich für den Stein. Meine ältere Schwester Bärbel und ich erhielten von Mama die Schmückaufgabe. Und diese Aufgabe erfüllten  wir sehr gerne. Schon Tage vorher begutachteten wir unseren Blumenfundus und überlegten das Muster. Es sollte einfach perfekt sein. So war also unsere Nacht schon gegen 5°°Uhr früh beendet. Wir beide knieten sodann auf der Straße und kreierten einen ca. 10m langen Blumenteppich in die Straßenmitte.  Das Haus und die Eingangstreppe erhielt einen kleineren Blumenteppich.

Blumenvasen, Kerzen und handgesticktes Tuch am Fenster war Mamas Sache. Das ließ sie sich auch nicht nehmen und wir versuchten es erst gar nicht.  Ich glaube, sie war einfach  unglaublich stolz auf ihr selbstgesticktes Fenstertuch, das sich jedes ordentliche junge Mädchen als Aussteuer anschaffte. Es gehörte unbedingt ins Aussteuerrepertoire. Und so wurde es wenigstens 1mal im Jahr aus der Schublade geholt und natürlich entsprechend präsentiert.  Denn - Verdient ist verdient!

Unser Lohn waren die neugierigen Nachbarn. So war es Brauch, dass alle die bereits ihre Schmückerei beendet hatten, einen Rundgang starteten. Die HammelburgerInnen waren damals nicht überschwenglich in Lobreden, eher mit pragmatischen Kurzsätzen versehen. ...aber, wenn sie dann länger bei uns stehen blieben, ihren Kopf wohlwollend zu uns runter senkten und den Satz 'dos hobd ihr ober schüä gemochd', waren wir selig. Ob kurze oder lange Sätze, egal. Denn - Gelobt ist gelobt!

 

Während der Prozession standen wir beobachtend hinter dem Fenster und dachten, können die denn nicht links und rechts von unserem Kunstwerk marschieren. Nix da, mitten drauf - Unser Herz blutete. Und ihr werdet es nicht glauben - es waren damals verdammt viele Menschen, die an Fronleichnam  teilnahmen.

Heute dagegen ist nur ein kleiner Überrest von dem Fronleichnam meiner Kindheit geblieben. Nur noch ein Häufchen Menschen, die mitlaufen. Hausschmuck findet man  auch nur noch wenig und wenn dann, sehr sparsam.

Also ich bin nie auf einen Blumenteppich getreten, denn just beim Schreiben fällt mir auf, dass ich nie an einer Prozession lauftechnisch teilnehmen musste. Denn - Wir haben ja gearbeitet!

Fronleichnam 196? . Foto: Maria K. Rinecker
Fronleichnam 196? . Foto: Maria K. Rinecker

Dar Niklaus unn dar Hädschekloas

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Weihnochde

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Dos Johannisfeuer beim Schuh Schmidd

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Dar Dröschdooch (Dreschtag)

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Dar Schlochddooch (Schlachttag)

1. Schweine

Statt der Waschmaschine stand der Wöschkessel in der Wöschküche. Und damit kreierten wir kurzerhand nochmal  1-2 Erlebnistage ins bäuerliche Jahr. Die Schlachttage.  In dem Kessel wurden die geschlachteten und verwursteten Teile  des selbst gezüchteten Schweins gekocht. Das Kochwasser wurde  zur leckeren Gräidelsubbe in der glenne Bröckelich von den aufgeplatzten Leberwürste herumschwammen. Mmmmmh, endlich durfte ich Brot in den Teller brocken, Suppe drüber schöpfen und perfekt war mein 1 a Kindheitsdinner. Danach noch eine heiße Leberwurst mit ganze Grumben, es war einfach ein Gedicht. Und dann folgte noch ein Highlight des Events. Der Direktvertrieb.

 

Das Managment unterstand natürlich meiner Mama, die hatte den Durchblick, wohin ich liefern sollte. Suppe ins geliebte Henkelkännchen, mit dem wir sonst Milch austrugen, und ich wurde schwuppdiewupps um 10 oder 20 Pfennig  oder ein paar Leckerlich reicher. Ein Trinkgeld für die Suppe von den Nachbarn im Viertel. Ja und somit hatte mein späteres Direktvertriebsleben  bei mir Fuß gefasst.

 

Nur eins fand ich ziemlich abartig, Blutrühren für die Blutwürste. Mein Gesichtsausdruck wechselte zwischen Faszination und Ekel während mir die Begleitmusik des Erlebnistages in Mark und Bein hing. Ja auch Schweine sterben nicht gerne und schreien herzzerreißend um ihr Schweineleben.

 

Ein Teil des Fleisches wurde verwurstet oder als Schinken haltbar gemacht. Doch wohin mit dem restlichen Schweinefleisch? Statt Gefrierschrank gab es zu dieser Zeit nur einen großen Holzbottich. Der stand hinter dem Bretterverschlag im Hausgang. Hier standen auch 2 große Holzkisten mit Maahl unn Schroadh (Mehl und Schroth). Zudem gab es darin eine kleine Räuchermöglichkeit. Dieser Vorratsraum wurde später von meinen Eltern zu einem Bad mit WC und einer Speiß umgebaut.

 

Ja,  und wohin jetzt mit dem restlichen Fleisch? Ganz einfach, es wurde mit viel, viel Salz in diesem Holzbottich eingelegt, anschließend abgedeckt und beschwert. Leider hielt diese Vorratsmethode nur eine bestimmte Zeit.  So standen während dieser Zeitspanne auch Schnitzel, Kottelet, Rouladen und andere Fleischgerichte auf dem Speiseplan. Nachdem dieser leergegessen war, kam das in den Gläsern eingeweckte Bratenfleisch mit der leckeren Bratensülze aus dem Keller zum Zuge. Zur fleischlichen  Abwechsung mussten danach die Stallhasen, die Hühner und die Tauben zum Fleischverzehr herhalten.

2. Stallhasen

Die fetten Stallhasen, die eh nur im Stall wohnen durften,  gaben  ihr Leben auch nicht gerne für unseren Esstisch her.  Wenn ich Papa mit einem dicken Holzstock in der einen, den Stallhasen an den Ohren in der anderen Hand haltend sah, flüchtete ich schnell in geschützter Entfernung. Leider nutzten meine Finger in den Ohren auch nicht sehr viel um die schrillen, hochfrequenzigen Schreie zu unterbinden. Die Felle brachten wir zum Frank am Viehmarkt. Die wurden teilweise gegerbt und lagen jahrelang über diverse Sofas und Sessel. 

3. Hühner

Beim Hühnertod ging's schon etwas lustiger zu. Das Einfangen glich manchmal einem Specktakel, wenn Papa oder Mama aufgeregt und laut hinter einem Huhn herlief und alle Hühner in verschiedene Richtungen kreischend davon stürmten. Der Hackstock und das Beil waren eh immer parat. Also ab mit dem Huhn auf den Stock und Kopf ab. Das Ende war auch etwas belustigend, dieses Federvieh führte uns manchmal zum Ende seinen Lebens noch einen Totentanz vor. Mein Veggileben war vorprogrammiert.

4. Tauben

Auch unsere Täubchen landeten im Bratentopf. Diese füllte Mama mit dem Gemisch der, mit dem handgetriebenen Fleischwolf gemahlenen Innereien, Gewürzen und eingeweichtes altes Brot. Knochenkiefen war angesagt. Ich wollte immer die Flügelich (Flügel). Allerdings hatten die immer noch vereinzelte lange, dünne Haare daran. Eigentlich für mich damals schon für mich ziemlich eklich. Auch heute kann man mich mit Haare im Essen vom Essen abhalten.

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Diese fleischigen Mahlzeiten beschränkten sich auf ca. 2x pro Woche

Sunndichs unn Mandichs (sonntags und montags). Montags die Reste aufgewärmt.

Ansonsten gab es Kartoffeln, Mehlspeisen, Eier, Milch, Gemüse, Salat und Obst. Entweder frisch vom Acker,  Garten, Kuh, Hühnernest oder im Winter und wenn es wieder mal schnell gehen sollte aus dem Einmachglas.

 

Alles was sich im Garten und auf dem Feld heranziehen ließ, verarbeitete Mama stundenlang in schicke Gläser. Folglich  ploppten die Gummiringe der Eingemachgläser beim Kochen. Obst, Gemüse, Säfte lachten uns kreativ abgefüllt  aus den Gläsern an.

Bratenfleisch  gab es auch aus dem Glas, nachdem das in Salz eingelegte Fleisch aufgebraucht war, kamen nämlich die Fleischgläser aus dem Keller dran.  Das Fleisch selbst war mir nicht wichtig, aber die Sülze, mein absoluter Höhepunkt vom Inhalt des Glases.

 

Ah, Eier mit weißem Gewappel im hohen Tontopf stand auch noch im Keller rum. Komisches Zeug. Aber die Eier aus dem Topf statt aus dem Hühnernest schmeckten im Winter genauso gut. Daraus stellte Mama wunderbare Nudeln fürs Sunndichsessen (Sonntagsessen) her. Die runden und dünn ausgewelgten Teigplatten hingen dann tagelang über Stuhllehnen und Stangen im Schlafzimmer zum Trocknen, bevor Mama sie in schmale (Suppennudeln) und breite Nudeln (Soßennudeln) schnitt. Diese Arbeit sah, in meinen Kinderaugen, fast nach fabrikmäßiger Herstellung aus. Denn Mama produzierte die leckeren Nudeln gleich auf Vorrat.

Die breede Nudeln (breite Nudeln) briet sie sonntags mit viel Butter im großen runden Emailletopf (blauschwarz) knusprig an. Scharf war ich immer auf die leckere Kruste mit Soße ...nur leider wollten die alle vier Kinner (Kinder). So gab es für die Eltern halt nur wenig oder keine. Jemand musste halt verzichten.

 

Was gab es damals noch zum Essen?  Kartoffel unn Grumben und Grumben unn Kartoffel. Tja, sie ist halt mal eine Ollrounddame und damals das wichtigste, schnellste und billigste Grundnahrungsmittel für bäuerliche Familien.

  • Zemmede mit saurer Milch oder mit Hudzelbrüh (selbstgedörrte Zwetschgen) 
  • Grumben unn Dubbdubb (Pellkartoffel mit Salz, Butter und eingemachte Gurken)
  • Grumbensgemüäs mit Broad unn Zelood (Kartoffelgemüse mit Brot und Salat)
  • Grumbenspfannkuche mit Öpfelsbrei
  • Grumbenszelod, Grumbensbrei, Grumbensklöäs, ganze Grumben
  • Grumben mit Schwoartemooche unn Kümmeling
  • Grumbensbrei mit gelbe Kallerobe und Schweinsfüässlich ( Kartoffelbrei mit gebe Kohlrabigemüse und Schweinsfüsse) 

Irgendwie war Mama eine wahre Grumbenskünstlerin!

 

Außerdem hingen und lagen sorgfältig und luftig verteilt Büschel von selbstgesammelter Pfefferminze und Kamille vom Ackerrand, dekorativ im Dachboden. Denn Tees und kalter, schwarzer Muckefuck (Kaffee), Selterswasser waren die Hauptgetränke. Vereinzelt weiße und gelbe Selterlimo. Also nix mit Cola und Süßgetränke.

 

Zugekauft wurde  nur wenig. Zum Beispiel der Huxol-Kräutertee (offen im runden Pappbecher) von der Schäfers Mathilde. Ja die Schäfersch Mathilde, eine Frau, so anders wie meine Mama. Die eine Bauerin, die andere eine Geschäftsfrau, ich bewunderte sie.

 

Heute nennt man diese Lebensart retrogemäß, schick und leider etwas sehnsuchtsverklärt: Selbstversorger!  Ich wage einen realistischen  Rückblick auf diese bäuerliche Lebensform meiner Eltern und fasse sie  in 3 Worte zusammen: Harte Arbeit, Sparsamkeit, Entbehrung und harte Arbeit! 


Die Aarn (Die Ernte)

Ess Heemache

Ess Klämache

Die Grumbenslaas (Die Kartoffellese)

Doube die

Hinne die Leisde

Daus die Bech

Dunne die Füschlinge

Hinnem Gasle

Doube die Buccch

Dunne die lange Wiese

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Dar Dokdor Wachner (Der Doktor Wagner)

Rotlauf

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Dunnem Kobbeslaand

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Die junge Kädzlich dar Franzl unn ich

(Die jungen Katzen, der Franz und ich)

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Die Hubersch Maarie (Die Maria Huber)

Unner Kleeder

Ess Huberscheck

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Rubbel unn die Kirsche

-in ARBEiT-